Und wieder sind die Landwirte die Dummen!

Am 03.09.2019 wurde viel über den Vogelschwund rund um den Bodensee berichtet. Wir wissen, dass Insekten sterben und damit auch die Vogelzahlen zurückgehen. Warum dabei allerdings in einigen Artikeln so einseitig und selbstverständlich darüber berichtet wird, dass der Landwirt allein daran Schuld habe, ist dem Landtagsabgeordneten Jürgen Keck unerklärlich: „So wird der
Verbraucher nie verstehen, was Naturschutz mit Landwirtschaft zu tun hat und wie wichtig es ist, diese beiden Themen miteinander zu verbinden. Regional und nachhaltig produzierte Lebensmittel fallen ja schließlich nicht vom Himmel.“

Spritzmittel wurden noch vor wenigen Jahrzehnten viel intensiver genutzt als heute. Der Einsatz ist bereits stark reduziert worden und geht weiter zurück. Eine Studie der Universität Freiburg belegt, dass eben gerade die Obstanlagen unserer Landwirte ein wichtiger Rückzugsraum für Insekten sind. Der Untersee ist vollumfänglich von Landschaftsschutzgebieten, Vogelschutzgebieten, Naturschutzgebieten, Biotopen und sogar von europäischen Schutzgebieten (FFH-Gebiete) eingegrenzt. Ein weiterer Beitrag zum Klima- und Artenschutz war außerdem das Grünlandumwandlungsverbot, welches inzwischen im Landwirtschafts- und Landeskulturgesetz fortgeschrieben ist, um dauerhaft einen flächendeckenden Grünlandschutz sicherzustellen.

„Vor allem im Hegau und im Thurgau die industrielle Landwirtschaft anzuprangern ist ein Witz, denn hier gibt es gar keine industrielle Landwirtschaft“, sagt Landwirt Stefan Leichenauer. Bäuerliche Familienbetriebe seien charakteristisch für den Hegau. Die meisten davon seien Gemischtbetriebe mit Ackerland, Viehzucht, Grünland und Obstbau. „Alle Betriebe im Hegau und am Bodensee tun bereits jede Menge für den Arten- und Vogelschutz. Die landwirtschaftlichen Flächen im Hegau sind geprägt von Heckenrückzugsgebieten, Wälder, und Feldrainen“, so
Leichenauer.

Dass das Vogelsterben am Bodensee mit dem Sterben der Insekten einhergeht, kann nicht bestritten werden. Dass allein die Landwirtschaft aber am Insektensterben schuld sein soll, das schon: „Nirgendwo sonst am Bodensee gibt es derart viele Schutzgebiete wie bei uns am Untersee. Die Landwirte haben sich hier angepasst und an die gegebenen Vorschriften gehalten, sie betreiben hier aktiven Umweltschutz“, so Jürgen Keck.

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