Vorsintflutliche Datenerfassung im Hightech-Ländle – Kulturministerin hat keine Ahnung, wie die Lage an den Schulen im Kreis ist

Er wollte wissen, wie die Unterrichtslage an den Schulen im Landkreis Konstanz ist und hat eine „völlig unerwartete Antwort“ bekommen: „Wenn ich das ernst nehme, was die Kultusministerin uns geschrieben hat, dann ist sie nicht sonderlich informiert, was an den Schulen im Kreis und im Land los ist und findet das nicht mal schlimm“, staunt der Landtagsabgeordnete Jürgen Keck von der FDP. Was „jedes größere Unternehmen jedes Quartal können muss, überfordert die Kultusverwaltung total: „Zur detaillierten Beantwortung wäre eine sehr aufwendige Erhebung an allen Schulen des Landkreises Konstanz erforderlich, die die verfügbaren sachlichen wie personellen Ressourcen der Schulverwaltung und der betroffenen Schulen weit überstiege“, lässt Dr. Susanne Eisenmann den anfragenden Abgeordneten abblitzen. „Und ich dachte glatt, in unserem Hightech-Ländle würden Daten aus den Schulen schon online ans Kultusministerium übermittelt und in modernen Computersystemen mit entsprechenden Programmen ausgewertet, damit die Ministerin fundierte Entscheidungsgrundlagen hat.“

Im Kultusministerium stützt die Ministerin sich aber noch auf die Methodik des Jahres 2000, wie der Abgeordnete jetzt in der Antwort auf seine Anfragenachlesen kann: „Statt einer mit unverhältnismäßigem Aufwand zu betreibenden flächendeckenden wöchentlichen Erhebung der Daten zur Unterrichtssituation führte das Kultusministerium erstmals im November 2000 eine Stichprobenerhebung an rund 15 Prozent aller öffentlichen Schulen ein, die seither in der Regel jährlich wiederholt wird.“

Für Jürgen Keck ist das eine „vorsintflutliche Methode“. Und diese Methode hat so ihre Tücken: „Die Stichprobenerhebung lässt grundsätzlich keine kreisbezogenen Aussagen zu, da in einzelnen Schularten z. T. nur eine Schule in einem einzelnen Kreis ausgewählt wurde. Auch Aussagen zum Unterrichtsausfall in einzelnen Schulfächern oder Klassenstufen sind nicht möglich.“
Aber immerhin weiß die Ministerin, dass Geld da wäre, um Unterrichtsausfälle auszugleichen und dass die Schulverwaltung im Landkreis Konstanz solches Geld auch ausgegeben hat, um auf Unterrichtsausfälle zu reagieren. Was aber nicht ganz geklappt hat, weil es „zum Teil keine geeigneten Bewerberinnen und Bewerber“ gab, wie in der Antwort auf die Kleine Anfrage zu lesen steht. Und mehr noch: „Aktuell sind Anfang Februar 2017 … im Landkreis Konstanz Stellen ausgeschrieben worden.“ Für Grundschullehrer und für den kommenden September.

„Halten wir also fest, er gibt Unterrichtsausfälle im Landkreis Konstanz, es gibt zu wenig Lehrerinnen und Lehrer. Ansonsten kennt die Ministerin die konkrete Situation an den Schulen im Landkreis Konstanz nicht und das Kultusministerium braucht dringend eine EDV-Aufrüstung, um vom Jahr 2000 in die Gegenwart zu kommen.“ Die FDP-Landtagsfraktion wird die Antwort nicht auf sich beruhen lassen und hier nochmals insistieren.

„Wenn der Gesetzgeber jedem Unternehmen penible Arbeitszeitnachweise auferlegt, sollte das Kultusministerium in der Lage sein, sich einen Überblick über Unterrichtsausfälle in den Schulen des Landes zu verschaffen.“

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